
Kirche, was willst Du mal werden, wenn Du klein bist?
aus Geist.Zeit · 27.09.2026 · 71 Min.
Worum es geht
In diesem Podcast erläutert Rita Famos ihren Weg zur Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz und beschreibt ihre Aufgaben, die Repräsentation, Förderung der Gemeinschaft und geistliche Anregungen umfassen. Sie reflektiert die Bedeutung weiblicher Führung in einer traditionell männlich geprägten Kirche und betont die Notwendigkeit, den Glauben heute verständlich und mutig zu vermitteln. Dabei wird auch der Vergleich zu Freikirchen gezogen, von denen man hinsichtlich Sprache und Begeisterung lernen kann, ohne dabei manipulativ zu werden. Die Diskussion umfasst zudem die gesellschaftliche Verantwortung der Kirche, ihr protestantisch-humanistisches Erbe und die Vision einer Kirche, die durch freiwillige Gemeinschaft und geistliche Tiefe geprägt ist.
Beschreibung
In dieser Folge von Geist.Zeit sprechen Andi und Thorsten mit Rita Famos, der Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Zuerst geht es um Rita Famos selbst: Wie führte ihr Weg als Pfarrerin und Seelsorgerin an die Spitze der EKS? Ist sie so etwas wie die Bischöfin der Schweizer Reformierten? Und was bedeutet es, als Frau in einer lange von Männern geprägten Kirche Leitung zu übernehmen? Ihr Buch «Leadership. Weibliche Perspektiven» (2026) gibt Anlass, über die Frauen-Kirche-Bewegung und überhaupt eine Geschichte der Transformation zu sprechen, auf welche die reformierte Kirche stolz sein kann. Denn die Kirche hat sich gerade nicht einem veränderten Zeitgeist angepasst; teilweise ging sie ihm voraus und hat ihn zumindest ein wenig mitgeprägt. Zugleich formulieren wir im Podcast auch kritische Fragen, die Menschen zur Kirche haben. Hat die reformierte Kirche ihre Mission aus dem Blick verloren, weil sie vor allem gesellschaftlich relevant sein will? Muss sie nicht neu lernen, Glauben und Spiritualität der Mitglieder nicht nur vorauszusetzen, sondern anzuregen und zu fördern? Oft behauptet wird auch: die Kirche ist zu politisch. Statt in Glaubensfragen deutliche Impulse zu setzen und in der Politik die Vielfalt der Mitglieder und ihrer Überzeugungen zu respektieren, mache die Kirche es scheinbar umgekehrt; sie bekenne Farbe in politischen Debatten – und betont Vielfalt in Glaubensüberzeugungen. Rita Famos kann solche Kritik verstehen und betont zugleich: Wir geben als Kirche nie politische Positionen vor. Wir melden uns zu Wort mit Kritik, mit Argumenten und Abwägungen, nicht um zu bevormunden, sondern um zur Auseinandersetzung und zum mündigen Urteilen zu ermutigen. Kritik und Auseinandersetzung braucht die Kirche auch mit ihrer eigenen Geschichte. Rita Famos erzählt von ihrer eigenen Entdeckung, dass Reformierten Kirche heute Verantwortung für sexualisierte Gewalt in ihrer Geschichte übernehmen muss. Am Ende kehren Andi und Thorsten zur Ausgangsfrage zurück: Wer sind wir als Kirche, jetzt schon und auch in Zukunft? Mit Rita Famos suchen sie nach einer Vision für eine Kirche, die nur quantitativ kleiner wird – und ihre wahre Grösse auch in anderer und neuer Gestalt zeigen kann. Link zum Buch: https://www.tvz-verlag.ch/buch/leadership-9783290187811/?page_id=1
Themen
- Leitung in der evangelisch-reformierten Kirche Schweiz
- Frauen in kirchlicher Führung
- Transformation und Geschichte der reformierten Kirche
- Glaubensvermittlung und Spiritualität heute
- Kirche und Gesellschaft im Wandel