
Theater, das Publikum und das Geld.
aus Ist das Kultur oder kann das weg? · 20.12.2020 · 73 Min.
Beschreibung
Die deutsche Theaterlandschaft ist etwas einmaliges, doch oft sorgen die enormen Kosten für Gesprächsstoff: Die Elbphilharmonie wurde für 866 Millionen Euro gebaut. In Karlsruhe baut man für 500 Millionen, Mannheim benötigt voraussichtlich 240 Millionen, Stuttgart plant gar mit 1 Milliarde. Meist beansprucht das ortsansässige städtische Theater, die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und das Museum der jeweiligen Stadt über 90% des Kulturhaushaltes. Dabei werden diese Kulturinstitutionen nur von 8% der Bevölkerung genutzt. Auf Basis einer repräsentativen empirischen Untersuchung zur sozialen Selektion des Bühnenpublikums aus dem Jahr 2016 von Tibor Kliment (Professor für Empirisches Medien- und Kulturmanagement an der Rheinischen Fachhochschule Köln) wird dies am Beispiel einer Umfrage an einem Städtischen Theater klar ersichtlich. Demnach verfügten 89% der Besucher über ein Studium oder zumindest über Abitur, knapp über 60% sind Beamte, leitende Angestellte oder Selbstständige und mit 66% stellen die über 50-Jährigen die mit Abstand größte Alterskohorte. Lediglich 17% der Besucher sind unter 34 Jahren alt. Seine Prognose für 2025 fallen dabei noch düsterer aus. Lag das Durchschnittsalter 2016 noch bei 58 Jahren, so geht er künftig von 65 Jahren aus. Die 800 Theater in Deutschland werden von Bund, Land und Kommunen mit 2,7 Milliarden Euro subventioniert. Das sind mindestens 78 € pro Karte. Doch reichen diese Zahlen aus, um den Mehrwert von Theatern für die Gesellschaft zu verstehen? Geht es wirklich nur darum möglichst viele Stücke auf die Bühne zu bringen, die bis auf den letzten Platz ausverkauft sind? Oder was leisten die 40.000 Mitarbeiter für unser Gemeinwohl?