
Acht Skandale in einer Woche: Gerald Grosz über den Zustand der Union
aus Junge Freiheit Interview · 17.09.2026 · 20 Min.
Worum es geht
Gerald Grosz beschreibt die dramatische Lage der CDU nach mehreren schlechten Wahlergebnissen und zahlreichen Skandalen innerhalb kürzester Zeit. Er kritisiert Friedrich Merz scharf für das Brechen seiner konservativen Wahlversprechen und die Aufstellung einer Brandmauer gegen die AfD, die letztlich nur dazu diente, keine Kompromisse eingehen zu müssen. Grosz sieht die Union in einer Sackgasse, aus der sie sich ohne grundlegende Veränderungen nicht mehr erholen wird, und prognostiziert einen historischen Absturz bei den kommenden Landtagswahlen. Zudem äußert er sich kritisch zur SPD, die sich seiner Meinung nach von ihren traditionellen Wurzeln entfernt hat. Abschließend diskutiert er mögliche Zukunftsszenarien für die Union, darunter die Notwendigkeit einer neuen Führung und die Öffnung für wechselnde Mehrheiten im Parlament.
Beschreibung
Der österreichische Publizist Gerald Grosz über Friedrich Merz, die Brandmauer und das Ende der Union. Eine Woche nach Sachsen-Anhalt, nach den Kommunalwahlen in Niedersachsen und vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sieht Gerald Grosz den Kanzler am Ende: „Das Vertrauen der deutschen Wähler ist gebrochen. Unwiederbringlich." Merz sei mit einem Bauchladen konservativer Versprechen angetreten – Migrationswende, Asyl-Obergrenze, bürgerliche Wirtschaftspolitik – und an ihnen selbst gescheitert. Die Brandmauer hält Grosz nicht für einen Schutzwall gegen die AfD, sondern für den bequemen Weg, die eigenen Versprechen nie einlösen zu müssen: Merz habe gewusst, dass er sie nur mit den Stimmen der AfD hätte umsetzen können. Sein Urteil über die Wahlabende: „Er wollte immer eine Partei halbieren. Das ist ihm gelungen, nämlich die eigene." Auch die SPD sieht Grosz am Ende – in Niedersachsen wurde die AfD sogar in Munster stärkste Kraft, der Heimatstadt des Vizekanzlers Lars Klingbeil. Die neue Volkspartei sei, ob sie es wolle oder nicht, die AfD. Für die Union sei die Lage aussichtslos: Bleibe Merz, setze sich der Abwärtstrend fort; gehe er, folge mit Wüst oder Söder die Fortsetzung der Merkel-Politik. Zum Schluss, mit Schiller: „Geben Sie Demokratie" – und Neuwahlen, die die neuen Mehrheiten abbilden. Gerald Grosz war Abgeordneter im österreichischen Nationalrat und Gemeinderat in Graz. Sein Buch „Ausgemerzt" ist seit zwei Wochen im Handel.
Themen
- Zustand der CDU/Union
- Friedrich Merz und politische Versprechen
- Wahlergebnisse und AfD-Aufstieg
- Parteipolitische Zukunft und Koalitionsoptionen
- Kritik an SPD und sozialdemokratischer Entwicklung