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175 Jahre Märzrevolution – Frauenemanzipation und Louise Otto-Peters

aus Listen to the Archive. Der DDF-Podcast zu feministischer Geschichte · 16.03.2023 · 41 Min.

Beschreibung

1848 – vor 175 Jahren – brachen in vielen Teilen des europäischen Kontinents Revolutionen und Unruhen los. Europa wurde zum Schauplatz von Demonstrationen, Aufständen und Barrikadenkämpfen. Die deutschen Staaten erreichte die Welle des Aufstandes im März: Hier entlud sich die Wut über Monarchien, Ständeordnungen und Kleinstaaterei, mit dem Ziel, das politische und gesellschaftliche System grundlegend zu verändern. Die Forderungen waren so unterschiedlich wie ihre Vertreter*innen: Während das liberale Bürgertum den Nationalstaat unter demokratischen Vorzeichen forderte, zog es u.a. die Arbeiter*innen zum Kampf gegen die miserablen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse auf die Straße. Die Märzforderungen nach Demokratisierung der Monarchien und Adelsherrschaft, Freiheit der Presse, der Rede, der Versammlung der politischen Teilhabe und der Verankerung von Menschen- und Bürgerrechten – sollten zunächst jedoch nur für Männer gelten. Und vorerst gaben einige Monarchien und feudalen Regierungen nach, richteten unter dem Druck der Revolution Märzministerien ein, die scheinbar Reformprozesse einleiteten. In der deutschen Paulskirche trat mit der Frankfurter Nationalversammlung am 18. Mai 1848 das erste – ausschließlich von Männern gewählte – Parlament zusammen, um gemeinsam über die freiheitliche Verfassung und die Bildung eines Nationalstaates zu beraten. All dies jedoch ohne die politische Teilhabe, ohne passives und aktives Wahlrecht von Frauen – diese saßen auf der sogenannten Damengalerie. Nicht zuletzt diese überparteiliche männliche Emanzipationsfeindlichkeit und Ablehnung von Frauen und ihres Engagements – denn sie waren ebenso Teil der Revolution, ob engagiert im Vormärz oder kämpfend auf den Barrikaden – und ihrer Forderungen, mobilisierte parallel auch die Frauenbewegung. Aus der politischen Unsichtbarkeit heraus entstanden u.a. ersten Frauenvereine und allein vier politisch unterschiedliche Frauen-Zeitungen – selbst während der Revolution und dem damit verbundenen Aufschwung für Presse und Vereine ein echtes Wagnis für Frauen. Die Publikationen und Netzwerke zeigten, wie umfassend die Forderungen der Frauen von 1848 waren. Sie verknüpften frauenpolitische mit allgemeinen politischen Inhalten, für eigenständige Assoziationen, Bildung, Arbeit und die Verbindung mit der Arbeiterschaft, gegen die Unterdrückung in den Fabriken und die Ausbeutung von Frauen, u.a. in Zwangsehen. Eine bekannte wie vehemente Vertreterin war hier Louise Otto-Peters (1819–1895) – auch sie wollte den Ausschluss der Frauen nicht hinnehmen, forderte gleichberechtigte politische Teilhabe und das Wahlrecht für Frauen. Sie gehörte zu den Frauen, die bereits im Vormärz aktiv waren, und publizierte u.a. in Zeitschriften des Journalisten und Politikers Robert Blum, der 1848 als Revolutionär und wortführender Abgeordneter der Paulskirche von Kaiserlich-Österreichischen Truppen inhaftiert und erschossen wurde. Sie focht mit ihrer Schreibfeder für die Revolution und gründetet 1848 ihre eigene Frauen-Zeitung. In dieser verhandelte sie ihre zentrale Losung „Die Freiheit ist unteilbar!“ (1848), die religiöse, politische, soziale Freiheit und die Frauenemanzipationen untrennbar verbindet – und resümierte dem gegenüber 1849 mit Blick auf die von der Männerwelt vertretenen bürgerlichen Freiheitsforderungen: „Wo sie das Volk meinen, zählen die Frauen nicht mit.“ Die bürgerliche Märzrevolution (1848–1849) wurde brutal von den alten Regimes niedergeschlagen, alle Zugeständnisse zurückgezogen – und die revolutionären Aktiven inhaftiert, ermordet oder ins Exil getrieben. Insbesondere die Handlungsräume von Frauen wurden beschnitten: So verbot ab 1850 in Sachsen ein Gesetz, die sogenannte Lex Otto, als Reaktion auf ihre Frauen-Zeitung Frauen die Herausgabe von Zeitungen und die redaktionelle Mitarbeit. Im gleichen Jahr 1850 untersagte das preußische Vereinsgesetz Frauen die Gründung von und den Beitritt in politische Vereine und Parteien.