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Folge 62: Kultur nur mit Bekenntnis? Sachsen-Anhalt nach der Wahl

aus Mauerecho – Ost trifft West · 18.09.2026 · 52 Min.

Worum es geht

Nach der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt steht die Kulturlandschaft vor neuen Herausforderungen, da die AfD Sachsen-Anhalt eine Kulturförderung an ein Bekenntnis zum Land binden möchte. In der Episode tauschen sich Vertreter:innen der freien und Hochkultur über die Auswirkungen dieser Forderung aus und betonen die Notwendigkeit verlässlicher Finanzierung für freie Kulturangebote. Es wird diskutiert, wie Kunstfreiheit trotz politischer Spannungen erhalten bleiben kann und wie kulturelle Vielfalt als Rückzugs- und Begegnungsraum in einer gesellschaftlich herausfordernden Zeit wichtig ist. Die Gesprächspartner:innen zeigen sich kämpferisch und optimistisch, appellieren aber auch an die Solidarität und Vernetzung innerhalb der Kulturszene. Die Episode reflektiert die politische Lage und die Bedeutung von Kultur als Raum für gesellschaftlichen Diskurs und Zusammenhalt.

Beschreibung

„Um uns wieder ein gesundes Selbstbewusstsein zu geben, werden wir u. a. […] die Kulturförderung an ein Bekenntnis zu unserem Land binden.“ Das steht auf Seite 8 des Kurzwahlprogramms der AfD Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026. Doch wie genau würde ein solches Bekenntnis aussehen? Und welche Folgen hätte es für die Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt? Für die neue Sonderfolge von „Mauerecho“, aufgenommen beim Osten-Festival in Bitterfeld-Wolfen, kamen Vertreter:innen der Kulturbranche miteinander ins Gespräch. Alle Gesprächspartner:innen betonen, dass freie Kulturangebote auf eine verlässliche Finanzierung angewiesen sind. Bei der Frage, wie diese Finanzierung organisiert werden sollte, unterscheiden sich ihre Positionen jedoch. Wolfgang Aldag, Landtagsabgeordneter der Grünen, sagt, Kultur müsse unabhängiger von staatlichen Mitteln werden. Dabei spiele auch das Ehrenamt eine Rolle. Nicole Tröger, Leiterin des WUK Theater Quartiers, verweist dagegen auf die prekäre finanzielle Lage vieler freischaffender Künstler:innen. Sie hätte sich bereits in der Vergangenheit mehr Unterstützung gewünscht, statt darauf angewiesen zu sein, dass Menschen ehrenamtlich arbeiten. Die Gesprächspartner:innen beschreiben einen möglichen Konflikt: Sollten Fördermittel künftig an politische oder kulturelle Voraussetzungen geknüpft werden, müssten Einrichtungen ihrer Einschätzung nach abwägen, unter welchen Bedingungen sie staatliche Förderung noch annehmen wollen. Die Zahlen zeigen, wie stark Teile der Kulturlandschaft von öffentlicher Finanzierung abhängig sind. Der Kulturhaushalt des Landes Sachsen-Anhalt betrug im Jahr 2026 rund 193 Millionen Euro. Das geht aus der Kulturbilanz der Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur des Landes hervor. Nach Angaben der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder gab das Land 2021 zwischen 150 und 200 Euro pro Person für Kultur aus. Im Vergleich der Bundesländer belegte Sachsen-Anhalt damit bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur Platz sechs von 16. Trotz dieser vergleichsweise hohen öffentlichen Förderung beschreibt Nicole Tröger die finanzielle Lage vieler freischaffender Künstler:innen als prekär. Wie genau die AfD versuchen wird, ihre kulturpolitischen Pläne umzusetzen, bleibt offen. Wie die Kulturbranche damit umgeht und ob es einen Zwischenweg geben kann, erfahrt ihr in unserer neuen Folge von „Mauerecho“. Zu Gast sind: - Nicole Tröger, Theaterleiterin des WUK Theater Quartiers - Stephanie Scholz, Radio Corax - Wolfgang Aldag, Stadtrat und Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen - Folkert Uhde, Geschäftsführer der Bachfesttage Köthen Mauerecho – Ost trifft West ist ein Podcast der taz Panter Stiftung. Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf taz.de/mauerecho sowie überall dort, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus und Praktikant Kilian Hamidi. Weiterführende Texte: ⁠https://taz.de/Nach-AfD-Sieg-in-Sachsen-Anhalt/!6211317/⁠ ⁠https://taz.de/Einfluss-der-AfD-auf-die-Kultur/!6202665/⁠ ⁠https://taz.de/Kulturelle-Teilhabe-in-der-Diskussion/!6098183/⁠

Themen

„Wir können es nicht zulassen, dass wir am Ende nur Sommerfeste und Stadtfeste haben, wo es Hüpfburgen gibt und Bratwurststände. Sondern wir brauchen ja auch die Räume, wo wir uns über bestimmte Themen unterhalten, wie wir in Zukunft uns die Gesellschaft vorstellen und ich glaube dafür braucht es dann Kunst und Kultur.“