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Pflegenotstand in Österreich: Warum es nicht den einen Hebel gibt

aus Hörgang · 13.09.2026 · 28 Min.

Worum es geht

In Österreich fehlen bis 2030 bis zu 100.000 Pflegekräfte, während die Zahl der über 85-Jährigen stark ansteigt, was zu einem spürbaren Pflegenotstand führt. Sabine Pleschberger, Professorin für Pflegewissenschaft, beschreibt die Situation als bereits alltäglich spürbar und warnt vor einfachen Lösungen, da es nicht den einen Hebel gibt. Sie betont die Bedeutung von Erfahrungswissen und evidenzbasierter Pflege sowie die Notwendigkeit, ältere Pflegekräfte im System zu halten. Zudem spricht sie über die Belastung pflegender Angehöriger und die Entwicklung von Community Nursing und Sorge-Netzwerken als innovative Ansätze. Abschließend fordert sie umfassende Reformen im Gesundheitssystem, um Pflege nachhaltig zu verbessern.

Beschreibung

Pflege am Limit: „Es gibt nicht den einen Hebel“ Bis 2030 fehlen in Österreich bis zu 100.000 Pflegekräfte – zugleich steigt die Zahl der über 85-Jährigen um fast die Hälfte. Zwei Kurven, die auseinanderklaffen wie eine Schere. Über diese Lücke spricht Sabine Pleschberger, Professorin für Pflegewissenschaft an der MedUni Wien, im Hörgang. Pleschberger warnt vor Alarmismus, beschönigt aber nichts: Der Notstand ist längst Alltag. Wer Pflege braucht, hört heute je nach Wohnort „Wir schicken morgen jemanden“ – oder „Wir können niemanden schicken.“ Ein Drittel der aktiven Kräfte geht bis 2030 in Pension und nimmt sein Erfahrungswissen mit. Menschen frühzeitig zu verlieren, sei ein Alarmsignal: „Da sollten alle Alarmglocken schrillen.“ Auffällig: 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, rund eine Million Angehörige leisten diese Arbeit – oft zwischen Beruf und Familie zerrieben. Pleschbergers Antwort heißt Denken in Netzwerken: Caring Communities, Community Nursing, der „achtsame Bezirk“. Doch solche Modelle leben von befristeten Projekten. Es fehle politisches Commitment für dauerhafte Strukturen. Ihr Befund zum Berufsbild ist klar: Das Klischee der „Krankenschwester“ als Assistenzberuf hält sich hartnäckig – und steht der Anerkennung als eigenständige Gesundheitsprofession im Weg. Ihr Lösungsansatz sind die drei R: Recruit, Retain, Reform. Menschen gewinnen, sie im System halten, das System reformieren. Denn den einen Hebel, sagt sie, gibt es nicht – aber viele, die man klug verknoten muss.

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