
Analyse der Wahl in Sachsen-Anhalt: Das kommt jetzt auf uns zu | Patzelt im Interview
aus Junge Freiheit Interview · 07.09.2026 · 18 Min.
Worum es geht
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt brachte die AfD als stärkste Partei hervor, jedoch ohne die erhoffte absolute Mehrheit. Werner Patzelt erläutert, dass nun ein langwieriges politisches Ringen um Mehrheiten beginnt, das auch eine AfD-Regierung möglich macht, insbesondere in Verbindung mit dem BSW. Er warnt vor den Risiken einer solchen Koalition, verweist aber auch auf die politische Realität, dass die AfD der Union am nächsten steht. Zudem diskutiert Patzelt die Konsequenzen für die CDU, die durch das Wahlergebnis stark geschwächt wurde und vor strategischen Entscheidungen steht, die auch einen möglichen Führungswechsel einschließen könnten. Abschließend bewertet er den Wahlerfolg als potenziellen Wendepunkt für die deutsche Parteienlandschaft.
Beschreibung
Politologe Werner Patzelt über Merz, die CDU und eine AfD-Regierung nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Die AfD ist in Sachsen-Anhalt mit Abstand stärkste Partei geworden, die absolute Mehrheit hat sie verfehlt. Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt, selbst CDU-Mitglied, erklärt im Gespräch mit Moritz Schwarz, was jetzt beginnt: ein Spiel um Mehrheiten, das Monate dauern kann — bis zu einer Abstimmung über die Auflösung des Landtags oder einem dritten Wahlgang, in dem die einfache Mehrheit reicht. Wahlkampfaussagen zur absoluten Mehrheit sollte man nicht „als das ewige Gelübde einer Nonne" nehmen, sagt Patzelt. Ein Bündnis mit dem BSW hält er für ein gewaltiges Risiko, wie in Thüringen zu besichtigen. Der AfD am nächsten stehe nach wie vor die Union — ein großer Teil ihrer Wähler und Mitglieder war früher dort. Dass beide Parteien dieses Bündnis ausgeschlossen haben, nennt er das Ergebnis abnormaler Zeiten. Für die CDU sieht Patzelt einen Kurs, der in eine „nachgerade tödliche Sackgasse" geführt hat: weder mit der AfD noch mit der Linken, und damit ohne Gestaltungsmehrheit. Der Befreiungsschlag könnte darin liegen, aus staatspolitischer Verantwortung mit der AfD zusammenzuwirken — wäre da nicht die Verachtung, die viele AfD-Mitglieder der CDU entgegenbringen. Den Begriff „Überläufer" für CDU-Abgeordnete, die eine AfD-Regierung wählen könnten, hält er für diffamierend: Abgeordnete haben ein freies Mandat. Und Friedrich Merz? Als Parteivorsitzender könne er stürzen — er habe seine Partei in die Sackgasse manövriert und die Wende von der Politik seiner Vorgängerinnen nicht vollzogen. Als Bundeskanzler sei er sicherer, weil es keinen plausiblen Nachfolger gibt. Vorgezogene Neuwahlen im Bund würden die CDU weiter schrumpfen lassen und die AfD in die Nähe der absoluten Mehrheit bringen. Patzelts Bilanz: ein spektakulärer Durchbruch der AfD — und womöglich „der Anfang vom Ende der CDU, wie wir sie kennen". 00:00 Intro 01:54 Wahlkampf-Versprechen 05:44 Die CDU-Sackgasse 09:50 Freies Mandat 11:48 Merz kann stürzen ► Die JUNGE FREIHEIT zum Jubiläumspreis testen: https://jubilaeum.jungefreiheit.de/youtube ► Der tägliche Newsletter: https://jungefreiheit.de/newsletter/ ► Diesen Kanal abonnieren: https://www.youtube.com/@Junge_Freiheit?sub_confirmation=1 #JungeFreiheit #SachsenAnhalt #CDU ÜBER DIESEN KANAL Die JUNGE FREIHEIT ist die unabhängige Wochenzeitung für Politik und Kultur — seit 1986.
Themen
- Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt
- AfD und mögliche Regierungsbildung
- Koalitionsoptionen und politische Risiken
- Auswirkungen auf die CDU und Parteiführung
- Strategische Herausforderungen im deutschen Parteiensystem