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gamescom 2026

aus Think Different. Think AI. · 12.09.2026 · 50 Min.

Worum es geht

Mark und Jens berichten live von der gamescom in Köln, der größten Spielemesse Europas, und reflektieren den Wandel von einer reinen Spielemesse hin zu einem Event mit starkem Influencer-Fokus. Besonders hervorgehoben wird die Indie-Halle, die durch kurze Schlangen und direkten Kontakt zu Entwicklern besticht. Ein zentrales Thema ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Spieleentwicklung, etwa durch dynamische NPCs und immersive Welten, die sich durch KI lebendig und interaktiv gestalten lassen. Dabei diskutieren sie Chancen und Herausforderungen, wie etwa die kreative Unterstützung durch KI und die mögliche Veränderung von Spielwelten. Abschließend geben sie eine Prognose, dass KI-Interfaces für Spieler bald auf der gamescom präsent sein werden, und teilen persönliche Erfahrungen und Enttäuschungen vom Messebesuch.

Beschreibung

Zum ersten Mal sitzen Mark und Jens nicht in getrennten Räumen vor Riverside, sondern nebeneinander auf der gamescom in Köln. Für Jens ist die Messe ein jährlicher Termin, seit sie nicht mehr in Leipzig stattfindet, und er beschreibt den Wandel von der reinen Spielemesse zur Influencer-Veranstaltung, ohne dabei den Spaß zu verlieren. Sein Lieblingsort bleibt die Indie-Halle: kurze Schlangen, gute Spiele, und Entwickler, mit denen man direkt reden kann. Rundherum ist die Messe größer als sie selbst, mit Ringfest, Congress und der gamescom Dev als eigener Entwicklerkonferenz. 1.700 Aussteller, über 70 Prozent davon aus dem Ausland. Mark kommt mit seinem Sohn und bringt eine Enttäuschung mit. Am Xbox-Stand läuft ein Gewinnspiel: Wer Spiele testet, sammelt Codes und füllt damit vier Reihen einer Sammelkarte, jede Reihe ein Druck auf den grünen Knopf. Die beiden füllen alle vier, stellen sich zwei Stunden an und erfahren am Ziel, dass nur noch einmal gedrückt werden darf und die gesammelten Punkte am nächsten Tag ungültig sind. Dass alle in der Schlange ein Recht auf ihre Chance haben, versteht er sofort. Was ihn stört, sind Regeln, die während des Spiels geändert werden, bei einem Aussteller, der nicht zum ersten Mal auf dieser Messe steht. Der inhaltliche Teil beginnt mit einem Fehltritt. In der Indie-Halle spricht Mark einen Entwickler auf KI in der Softwareentwicklung an und erntet einen Blick, den er selbst als Entsetzen beschreibt. Das betreffende Spiel wirbt ausdrücklich mit handgemalten Grafiken. Jens kann die Reaktion gut nachvollziehen: Wer viel Zeit in Handarbeit steckt und sich dann gegen billige Massenware behaupten muss, hat gute Gründe für eine Abgrenzung. Auf den großen Verkaufsplattformen häufen sich Titel, die schnell und ohne Sorgfalt erzeugt wurden, und in dieser Konkurrenz Gehör zu finden, ist für kleine Studios schwer. Interessant wird es bei der Frage, wie viel KI in Spielen tatsächlich schon steckt. In einem Interview am Rande der Messe erklärt Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands game, die Technik sei nichts Neues, die Spieleentwicklung setze sie seit Jahrzehnten ein. Mark hakt nach: Jahrzehnte bedeutet mehr als zehn Jahre, und was genau ist dann gemeint, Codevervollständigung oder ganze Level, die von allein entstehen? Die Frage bleibt offen und ist typisch für die Debatte. Auffällig ist etwas anderes: Auf keinem Stand wirbt jemand mit dem Begriff. Zu einem großen kommenden Titel gab es die Meldung, es sei gar keine KI im Einsatz. Wo Studios offen damit umgehen, folgt derzeit die Quittung in den Bewertungen, und ein Studio hat KI aus der Konzeptionsphase wieder verbannt, nachdem die Kritik zu deutlich wurde. Dass die Ablehnung nicht die ganze Wahrheit ist, zeigen Zahlen, die Jens in der Folge nennt. Bei den 18- bis 24-Jährigen finden nur wenige Prozent KI-gesteuerte Figuren gut, bei den Älteren ab 45 ist die Bereitschaft deutlich höher. Eine Untersuchung der University of Bristol hat 122 Spielsitzungen mit KI-generierten Figuren ausgewertet, und 95 Prozent der Beteiligten empfanden die Interaktion als spaßiger. Der Schluss daraus liegt nahe: Erlebt wird es gern, beworben nicht. Der zweite Teil dreht sich um das, was solche Figuren möglich machen würden. Mark, dessen Spielzeit in World of Warcraft in Jahren gemessen wird, stellt sich Begleiter vor, die mit einem auf Abenteuer gehen und sich über Gott und die Welt unterhalten. Im selben Atemzug nennt er die Kehrseite: Wie gefestigt muss jemand sein, dessen virtueller Freund immer online ist und ihm nach dem Mund redet? Jens sieht die Grenze der heutigen Spiele dort, wo man sich abseits des Drehbuchs bewegen will, etwa hinter die Theke eines Sushi-Restaurants in Cyberpunk. Beide erinnern an Experimente, in denen Agenten in offenen Welten losgelassen wurden und eigene Gesellschaften bildeten. Dass so etwas auch ohne KI aus dem Ruder läuft, zeigt ein Zwischenfall aus der Geschichte von World of Warcraft: Eine Seuche aus einem Endkampf wurde über ein Tier in die Städte getragen und tötete dort Spieler und Figuren gleichermaßen, bis die Betreiber eingriffen. Zum Schluss zwei Gedanken, die über Spiele hinausgehen. Der erste ist eine Warnung vor der Bequemlichkeit: Wer aus einem Prompt dreißig Folien erzeugt und weiterreicht, verlagert Arbeit auf andere, und ein gutes Modell ersetzt keine klare Vorstellung davon, was am Ende herauskommen soll. Mark erzählt von einem Foliensatz mit 38 Folien, von denen 36 Fehler enthielten. Jens ergänzt, wo KI in der Produktion wirklich hilft, etwa wenn ein selbst gedrehtes Video als Bewegungsvorlage fürs Rendering dient, und warum der Wirt am Morgen nicht mehr fröhlich grüßen sollte, wenn man ihm am Vorabend einen erschlagenen Gegner vor die Tür gelegt hat. Der zweite Gedanke ist eine Prognose: In ein bis zwei Jahren, so Marks Vermutung, wird es auf dieser Messe eine eigene Kategorie dafür geben, dass Spiele die Oberfläche für KI liefern. Denn was Spieleentwickler beherrschen, ist genau das, woran andere scheitern: komplexe Sachverhalte grafisch verständlich zu machen, und mehrere Menschen darin gemeinsam handeln zu lassen. — Think Different. Think AI. mit Mark Zimmermann und Jens Scharnetzki. Hören: Apple, Spotify, YouTube, RSS https://think-ai.podigee.io Neue Folge zuerst im WhatsApp-Kanal https://whatsapp.com/channel/0029VbDJ4ZlGufIrpquad004 Wenn euch die Folge was gebracht hat: einmal bei Apple bewerten. Das entscheidet, ob jemand Neues uns findet. https://podcasts.apple.com/de/podcast/think-different-think-ai/id1828021699 Feedback und Gäste: über die Show-Seite.

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