
Folge 63: Die Braunen, die Roten und der Frust - Die Jugend scheißt auf die Mitte!
aus Mauerecho – Ost trifft West · 24.09.2026 · 74 Min.
Worum es geht
Die Folge reflektiert die Ergebnisse der Landtagswahlen 2026 in verschiedenen Bundesländern und zeigt, wie die AfD und die Linke bei jungen Menschen an Zustimmung gewinnen, während die Mitte, insbesondere die CDU, an Einfluss verliert. Die Gäste diskutieren die Ursachen für diese Entwicklung, darunter das mangelnde Vertrauen in politische Führungspersönlichkeiten wie Friedrich Merz und die fehlenden Perspektiven für junge Menschen angesichts steigender Lebenshaltungskosten und psychischer Belastungen. Es wird betont, dass junge Menschen ernst genommen und aktiv in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden müssen, um ihre Bedürfnisse zu adressieren. Die Folge unterstreicht die Bedeutung von sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz und Frieden als zentrale Themen für die Jugend und warnt vor einer weiteren Radikalisierung, wenn die Mitte keine Lösungen bietet.
Beschreibung
Die Mitte verliert die Jugend. Und sie sollte sich nicht einreden, das liege bloß an einem schlechten Social-Media-Auftritt im Wahlkampf. Das Wahljahr 2026 war kein Jahr der Gleichgültigkeit. Im Gegenteil: Die Wahlbeteiligung stieg in allen fünf Ländern. In Sachsen-Anhalt um 17,5 Punkte auf 77,8 Prozent, in Berlin um 11,3 Punkte, in Mecklenburg-Vorpommern um 7,3 Punkte. Menschen sind nicht politikmüde. Sie treffen nur andere Entscheidungen, als die Mitte gehofft hatte. Woher soll die Zuwendung junger Menschen zur Mitte auch kommen? Die Trendstudie „Jugend in Deutschland“ hat herausgefunden, dass ein Drittel der 14- bis 29-Jährigen psychologische Behandlung benötigt. Ein Fünftel denkt darüber nach, auszuwandern, um im Ausland bessere Zukunftsperspektiven zu finden, die sie hier offenbar nicht mehr sehen. Das beobachtet auch Phil, der auf seinen Social-Media-Kanälen Politik und politische Kommunikation einordnet und selbst noch studiert: „Junge Menschen brauchen eine Perspektive. […] Wenn ich mir mein Studium nicht finanzieren kann, obwohl ich zwei bis drei Jobs arbeite, dann werde ich frustriert. […] Wenn ich von meinem Ausbildungsgehalt nicht bei meinen Eltern ausziehen kann, weil es nicht reicht, dann haben wir ein Problem.“ Besonders deutlich wird das bei jungen Wählerinnen und Wählern in Mecklenburg-Vorpommern: Hier kam die CDU bei den Unter-30-Jährigen auf zwei Prozent. In Sachsen-Anhalt erreichte die SPD in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen neun Prozent. Die AfD lag dort bei 44 Prozent, in MV bei 37 Prozent. Gleichzeitig wählten in Berlin 47 Prozent der jungen Menschen die Linke. Junge Menschen fehlen aber nicht nur in den Wahlergebnissen der Mitte. Sie fehlen oft auch auf Listen, in Entscheidungsräumen und als Adressatinnen und Adressaten politischer Angebote. Deshalb wurde unser Gast Karoline Herrmann gefragt, wie gut die junge Generation in den Strukturen der CDU Mecklenburg-Vorpommern vertreten ist: „Wenn das der Fall wäre, dann würden Listenaufstellungen vielleicht auch schon anders laufen. Ich glaube, da haben wir jetzt eine große Chance, uns strukturell ein bisschen anders aufzustellen – zwischen jungen und erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, Mann, Frau und auch weiteren Diversitätsmerkmalen.“ Wer junge Menschen dann sechs Wochen vor der Wahl mit einem hastig produzierten Social-Media-Video erreichen will, wirkt nicht nahbar, sondern aufgesetzt. Und die AfD? Sie gewinnt nicht einfach, weil sie TikTok verstanden hat. Sie ist da, wo andere fehlen: mit Fan-Accounts, Veranstaltungen, lokalen Gruppen und dem Gefühl, dazuzugehören. „Es gibt ja diese Grafiken, dass die AfD gar nicht so überproportional viel mehr Videos hochlädt als die anderen Parteien. Der Erfolgsfaktor der AfD ist einfach, dass sie viel besser ausgespielt werden. […] Die AfD hat so viele Fan-Accounts, so viele vermeintlich neutrale Accounts, die aber irgendwie dann noch mit dranhängen, die einfach ihre Points noch viel besser pushen kann, in die Weite des Netzes hinein. Das gibt es bei etablierten Parteien nicht“, sagte Phil. Sie bietet Anschluss. Genau das macht sie so gefährlich. Die Frage ist deshalb nicht nur, wie Parteien besser kommunizieren. Sondern: Wen lassen sie mitentscheiden – und für wen machen sie überhaupt Politik? „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der taz panterstiftung. Er erscheint derzeit jede Woche auf taz.de/mauerecho sowie überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserem Sounddesigner Sebastian Jautschus und unserem Praktikanten Kilian Hamidi.
Themen
- Wahlergebnisse 2026 in Deutschland
- Jugendliche und politische Orientierung
- Kritik an Friedrich Merz und CDU
- Soziale Herausforderungen junger Menschen
- Politische Beteiligung und Perspektiven