
HisDec - Ein Enzym, ein Chip, ein Achtel Wein
aus Wissen schafft Macht. Macht aber nix. Oder? WISM²ANO Ein Podcast der BioteXpert*innen · 31.08.2026 · 46 Min.
Beschreibung
Auf keinem Weinetikett steht, wie viel Histamin drin ist. Wer es wissen will, braucht bisher ein Labor, ein HPLC-Gerät und jemanden, der damit umgehen kann. Im Projekt HisDec arbeiten acib und Infineon an einer Abkürzung: einem Teststreifen, der anhand ein paar Tropfen das Ergebnis aufs Smartphone schickt. Christiane Luley und Elisabeth Hengge erzählen, wie diese Zusammenarbeit zwischen Biotechnologie und Mikroelektronik entstanden ist — und wo die Schwierigkeiten liegen: an einem Enzym, das im Rotwein genauso arbeiten muss wie in Pufferlösung, und an einer Elektronik, die klein und billig genug für ein Wegwerfprodukt sein muss.In dieser Folge Wie aus einem Brainstorming zwischen acib und Infineon ein Sensorprojekt wurde — und warum ausgerechnet Histamin der erste Fall ist Warum in fermentierten Getränken nicht nur Histamin steckt, sondern eine ganze Familie biogener Amine Die Signalreise: ein paar Tropfen Wein, eine Redoxreaktion auf dem Streifen, ein Chip, NFC, Smartphone Warum es das noch nicht gibt: Das Enzym muss selektiv, stabil und ausreichend aktiv sein Enzym oder Aptamer — und warum Antikörper für ein Wegwerfprodukt zu teuer sind Der Plattform-Gedanke: die Biologie vorne ist austauschbar, die Elektronik dahinter bleibt Gäste Dr. Christiane Luley acib — Austrian Centre of Industrial Biotechnology, am Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der TU GrazBiotechnologin und Enzymexpertin. Sie bringt die Frage mit, die am Anfang jedes Biosensors steht: Welches Enzym erkennt den Stoff — und hält es das auch in einem echten Glas Wein aus? Dr. Elisabeth Hengge Infineon Technologies Austria AG, Forschung und Entwicklung, GrazPhysikerin und Materialwissenschafterin, promoviert über die Immobilisierung von Enzymen auf nanoporösen Goldelektroden. Sie steht für die andere Hälfte des Problems: Wie wird aus einer chemischen Reaktion ein Signal, das ein Chip lesen kann. Zum Nachlesen Maintz & Novak (2007): Histamine and histamine intolerance. American Journal of Clinical Nutrition 85(5), 1185–1196. doi.org/10.1093/ajcn/85.5.1185 Die Standardübersicht dazu, warum manche Menschen Histamin schlecht abbauen — und warum die Diagnose so schwierig ist. Bruni, Luley-Goedl & Nidetzky (2024): Carrier-based immobilization of the Aerococcus viridans L-lactate oxidase. Journal of Biotechnology . doi.org/10.1016/j.jbiotec.2024.01.011 Christianes Feld, an einem anderen Enzym: wie man ein Enzym auf einen Träger bringt, ohne dass es aufhört zu arbeiten. Hengge et al. (2025): Electrochemically Induced Nanoscale Stirring Boosts Functional Immobilization of Flavocytochrome P450 BM3 on Nanoporous Gold Electrodes. Small Methods . doi.org/10.1002/smtd.202400844 · Volltext frei (TU Graz) Elisabeths Arbeit an der Schnittstelle, um die es in der Folge geht: Enzym trifft Elektrode. Novak, Hengge, Steyskal, Würschum & Nidetzky (2025): Interplay of Surface Charge and Pore Characteristics in the Immobilization of Lactate Oxidase on Bulk Nanoporous Gold Electrodes. Langmuir 41(8), 5136–5146. doi.org/10.1021/acs.langmuir.4c04367 Zeigt konkret, wie stark die Oberflächenladung darüber entscheidet, ob ein Enzym auf der Elektrode noch funktioniert.