
Ohne Worte
aus Mensch Mahler | Die Podcast Kolumne · 27.09.2026 · 2 Min.
Beschreibung
260926PC Ohne Worte Mensch Mahler am 26.9.2026 Wie ein Häufchen Elend lag ich auf der Couch, nachdem mich der erste große Liebeskummer dazu gezwungen hatte, wieder bei meinen Eltern auf der Matte zu stehen. Im Kreise meiner Liebsten fühlte ich mich zwar wie in Abrahams Schoß, aber mit mir war nicht gut Kirschen essen. Abwechselnd versuchten meine Familienmitglieder, sich Aufmunterungsversuche aus dem Ärmel zu schütteln: Es hat nicht sein sollen. Die Zeit heilt alle Wunden. Wer weiß, wofür es gut ist. In absehbarer Zeit blockst du ganz anders auf die Sache. Aber sie trugen nur Eulen nach Athen. Der wahre Jakob war nicht dabei. Für mich war kein Ende in Sicht. Es war zum Mäusemelken und sowieso alles Jacke wie Hose. Glück ist doch das Einzige, was mehr wird, wenn man es teilt. Jetzt war ich auf mich allein gestellt. Viel Wasser floss den Rhein hinunter und schließlich war ich über den Berg. Gras wuchs über die Sache. Ich stand auf, richtete meine Krone und ging weiter. Bis sich mein bester Freund bei mir meldete. Die Sorte Freund, mit dem man durch dick und dünn geht und den man nachts um drei anrufen könnte, um mit ihm Pferde zu stehlen. Seine Beziehung sei den Bach runtergegangen. Der Drops sei gelutscht. Hals über Kopf machte ich mich auf den Weg. Ich schwitzte Blut und Wasser, Was soll ich ihm sagen? Wie baue ich ihn auf? Mein Kimpel war völlig neben der Kappe. Mich jetzt bloß nicht wie der Elefant im Porzellanladen benehmen. Erst mal abwarten und Tee trinken. Er erzählte lang und breit. Dann lag der Ball in meinem Feld. Würde ich den Elfmeter verwandeln? Ich nahm all meinen Mut zusammen, aber ich hatte ein Brett vor dem Kopf: Es hat nicht sein sollen. Ich verlor den Faden. Die Zeit heilt alle Wunden. Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Wer weiß, wofür es gut ist. War ich von allen guten Geistern verlassen? In absehbarer Zeit blickst du ganz anders auf die Sache. Die Büchse der Pandora war geöffnet, aber das machte den Kohl jetzt auch nicht mehr fett. Harte zeiten erfordern harte Maßnahmen. Und immerhin: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Und so saßen wir dort wie die Hühner auf der Stange. Das Schweigen war so laut, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Dann fiel der Groschen. Ich wollte noch etwas sagen wie Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. Aber ich biss mir auf die Zunge, sah meinen Freund an und nahm ihn in den Arm. Ganz ohne Worte. Als ich diesen Text von Nele Beste las, musste ich an die vielen Anrufe denken, die ich nach dem Tod meiner Tochter bekommen habe. Günter, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Gut so, sagte ich. Lass uns zusammen schweigen. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.