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Joseph Beuys - Künstler, Schamane, Reizfigur: "Kreuzigung" (1962/63)

aus Zeig Mal! Kunst für alle. · 04.04.2026 · 16 Min.

Beschreibung

Hier geht's zum Video... „Jeder Mensch ist ein Künstler“ – mit diesem radikalen Diktum seiner Anthropologischen Kunsttheorie forderte Joseph Beuys das traditionelle Kunstverständnis der Nachkriegszeit heraus wie kaum ein anderer. In Anglerweste und Filzhut stilisierte er sich zur charismatischen Identifikationsfigur, die zwischen den Rollen des visionären Schamanen und des provokanten Scharlatans oszillierte. Während seine Materialsemantik aus Fett und Filz auf einem historisch widerlegten, jedoch künstlerisch konstitutiven Gründungsmythos einer Rettung durch Tataren fußt, offenbart sein Werk bei tieferer Analyse eine komplexe spirituelle Dimension. Die vorliegende Untersuchung widmet sich der Frage, wie Beuys die christliche Heilslehre transformiert, um die schöpferische Freiheit des Individuums als Heilmittel für eine materialistisch erstarrte Gesellschaft zu positionieren.Zentral für das Verständnis seines Schaffens ist der „erweiterte Kunstbegriff“, der die „Soziale Plastik“ als visionäres Ziel formuliert: Die Gestaltung der gesellschaftlichen Umwelt durch die Kreativität jedes Einzelnen. Dieser Gedanke manifestiert sich nicht nur in seinen politisch-ökologischen Großprojekten wie den „7000 Eichen“ zur documenta 7, sondern bereits früh in seinen kleinteiligen, spröden Assemblagen. Das 1962/63 entstandene Werk „Kreuzigung“, das sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart befindet, entzieht sich durch seine Materialität aus Bauholz, Glasflaschen, Elektrokabeln und Zeitungsausschnitten jeder herkömmlichen Erwartung an sakrale Kunst. In einer detaillierten Analyse wird deutlich, wie Beuys die ikonografischen Topoi der Kreuzigungsgruppe – Maria, Johannes und die Schächer – in ein energetisches System übersetzt, in dem das Kreuz als Transformator spiritueller Kräfte fungiert.Dabei zeigt die Betrachtung, dass die vermeintlich banalen Alltagsmaterialien in ihrer Dualität und Fragilität eine tiefe existenzielle Bedeutung transportieren. Die Verwendung des griechischen Kreuzes, das Assoziationen zum Roten Kreuz weckt, verweist auf den Prozess der Heilung und der „Durchwärmung“ des Menschen. Beuys löst das Symbol von seiner rein konfessionellen Einbindung und macht es zum Zeichen einer notwendigen Metamorphose: Das Sterben des alten, rationalistischen Ichs als Voraussetzung für die Auferstehung in einer neuen, kreativen Existenzform. So erweist sich die „Kreuzigung“ als Schlüsselwerk, welches die Brücke schlägt zwischen dem schamanischen Ritus der Heilung und dem gesellschaftspolitischen Aufbruch der Postmoderne. #zeigmal! #kunst #tutorial #kunstgeschichte #bildung #abitur #schule #bdk #bildanalyse #epochenüberblick #kunstunterricht #kunstunterricht #kunstlehrer #kunstlehrer #gymnasium #bildung #JosephBeuys #SozialePlastik #AbiturKunst #StaatsgalerieStuttgart #Beuys #Kreuzigung