
Ep. 145: Wenn die Organisation ihre Unsicherheit auf Menschen verlagert, müssen die Menschen radikaler arbeiten. (Talk mit Markus Väth)
aus Veränderungsstabil · 21.09.2026 · 50 Min.
Worum es geht
In der Episode diskutieren der Gastgeber und Markus Väth die Grenzen der Luhmannschen Systemtheorie für die praktische Organisationsarbeit und schlagen stattdessen die Theorie von Talcott Parsons vor, die den Menschen als handlungsfähiges Subjekt sieht. Markus Väth erläutert das Konzept des radikalen Arbeitens, das an die Wurzel der Arbeitsweise geht und darauf abzielt, sowohl die Arbeitsqualität der Menschen als auch die Ergebnisse der Organisation zu verbessern. Dabei wird betont, dass Menschen nicht Opfer des Systems sind, sondern aktiv Veränderungen bewirken können. Zudem wird der Wandel des Kapitalismus und dessen Einfluss auf die Arbeitswelt thematisiert, insbesondere der Unterschied zwischen sozialem und flexiblem Kapitalismus. Abschließend gibt Markus Väth praktische Tipps, wie man mit kleinen Schritten und Instrumenten aus seinem Buch radikal arbeiten beginnen kann, um nachhaltige Veränderungen zu erzielen.
Beschreibung
Sind wir Menschen in Organisationen eigentlich noch handelnde Wesen – oder nur noch Opfer des Systems? In dieser Folge spreche ich mit Markus Väth, Organisationspsychologe, Organisationsberater und Begründer des Radikalen Arbeitens. Und wir steigen direkt mit einer kleinen Provokation ein: Müssen wir Luhmann in der praktischen Organisationsarbeit vielleicht endlich beerdigen? Markus kritisiert eine Form der Systemtheorie, die den Menschen so weit aus der Organisation herausabstrahiert, dass am Ende schnell die Haltung entsteht: Das System ist eben so. Da kann man nichts machen. Dem stellt er ein Menschenbild entgegen, in dem wir handelnde, entscheidende und gestaltende Wesen bleiben. Von dort landen wir bei der Frage, warum wir überhaupt radikaler arbeiten müssen. Denn Organisationen erleben heute enorme Unsicherheit – durch wirtschaftliche Dynamik, Technologie, KI, veränderte Strukturen und immer weniger planbare Karrieren. Und weil Organisationen diese Unsicherheit irgendwo hinpacken müssen, landet sie am Ende häufig auf den Schultern der Menschen, die in ihnen arbeiten. Das zeigt sich dann sehr konkret: mehr Regeln und Dokumentation, noch ein Change-Projekt, noch mehr Menschen in Meetings und CC-Schleifen und jede Menge Bullshit-Sprache. Markus nennt das unter anderem Anpassungsbürokratie, Change-Bürokratie und Kooperationsinfarkt. Der Versuch, Unsicherheit zu kontrollieren, produziert damit teilweise genau die Arbeitswelt, unter der wir anschließend leiden. Aber was machen wir jetzt damit? Genau hier setzt das Radikale Arbeiten an. Und „radikal“ bedeutet dabei nicht extrem, sondern zurück zur Wurzel: Was brauchen wir wirklich, um unter diesen Bedingungen gut arbeiten zu können? Markus bringt dafür fünf Prinzipien mit: Pragmatismus, Entfaltung, Autonomie, Respekt und Lernen. Nicht als nächste Managementreligion, die jetzt gefälligst alle übernehmen müssen, sondern als Einladung, Dinge auszuprobieren, die im eigenen Kontext tatsächlich funktionieren. Wir sprechen über Grenzen und Autonomie, über vertrauensvolle Zusammenarbeit, über den psychologischen Arbeitsvertrag, über den fundamentalen Attributionsfehler und darüber, warum konstruktive Radikalität Menschen nicht zwingt, sondern einen Sog erzeugt. Und am Ende landen wir wieder bei einem Gedanken, der für mich zentral für Veränderungsstabilität ist: Du kannst etwas verändern. Du bist nicht einfach das Objekt eines Systems, dem du hilflos ausgeliefert bist. Du kannst handeln, entscheiden und gestalten. Vielleicht kannst du nicht den ganzen Teich kontrollieren – aber du kannst ein Stein sein, der hineinfällt und Wellen erzeugt. Und wenn genügend Menschen anfangen, solche Wellen zu erzeugen, verändert sich irgendwann auch das System. Viel spaß beim hören. --------------------------------------------------------- So erreicht Ihr Markus Väth: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/markusvaeth/ Homepage: https://markusvaeth.com/ Buch: https://amzn.eu/d/02LWmfip --------------------------------------------------------- Und so erreicht Ihr mich: Homepage: https://www.odonovan.de/ LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/holgerheinze/ Bücher: https://shop.haufe.de/
Themen
- Systemtheorie in Organisationen
- Radikales Arbeiten
- Kapitalismus und Arbeitswelt
- Handlungsfähigkeit von Menschen in Organisationen
- Organisationsentwicklung und Veränderung
„Du bist... ein handelndes, entscheidendes und gestaltendes Wesen. Du bist nicht das Objekt des Systems, in dem du bist und musst halt aushalten, was da passiert und kannst dich nicht anders verhalten.“